Technisches Basiswissen für Hobbyfotografen - leicht verständlich

Technisches Basiswissen - Stefan Dassler
Technisches Basiswissen - Stefan Dassler
Um das Potential seiner Spiegelreflexkamera voll auszuschöpfen, benötigt man ein paar Grundkenntnisse - beispielsweise in Blende, Belichtungszeit und ISO.

Möchten Sie sich nicht blind auf die Vollautomatik der Kamera verlassen? Wollen Sie mit der Belichtung experimentieren? Möchten Sie besondere Effekte bei Ihren Fotos erzielen? Dieser Beitrag erklärt anschaulich wichtige technische Zusammenhänge für Hobbyfotografen und gibt Tipps für die Anwendung.

Das Zusammenspiel von Blende, Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit

Durch das Objektiv einer Spiegelreflexkamera fällt bei der Aufnahme das Licht auf den Sensor der Kamera. Entscheidend ist die richtige Menge Licht. Fotografiert man beispielsweise eine spielende Katze, so ist bei zu viel Licht auf dem Sensor das Bild überbelichtet (zu hell) und bei zu wenig Licht unterbelichtet (zu dunkel).

Die Zusammenhänge bei der Belichtung kann man mit einer Badewanne vergleichen. Zu wenig Wasser in der Badewanne ist ungünstig für ein angenehmes Bad, bei zu viel Wasser läuft sie über. Auch beim Fotografieren ist sowohl zu wenig als auch zu viel Licht auf dem Sensor ungünstig.

Die Lichtmenge kann durch die Blendenöffnung (= vergrößerbares und verkleinerbares „Loch“) am Objektiv und die Belichtungszeit (in Sekundenbruchteilen angegeben) geregelt werden. Die Blende lässt sich mehr oder weniger weit öffnen, vergleichbar mit dem Wasserhahn bei der Badewanne. Durch eine große Blendenöffnung (= kleine Blendenzahl), beispielsweise F2,8, fällt viel Licht, durch eine kleine Blendenöffnung (= große Blendenzahl), beispielsweise F22, fällt wenig Licht.

Wie lange das Wasser in die Badewanne läuft, entspricht der Belichtungszeit. Beispielsweise ¼ Sekunde ist eine lange Belichtungszeit (bei Aufnahmen in der Dämmerung empfehlenswert) und 1/1000 Sekunde eine kurze Belichtungszeit (bei Sportaufnahmen empfehlenswert).

Außer durch Blende und Belichtungszeit wird die Belichtung noch durch die ISO-Empfindlichkeit beeinflusst. Je niedriger die Empfindlichkeit (beispielsweise ist ISO 100 ein geringer Wert), desto mehr Licht ist für das Foto von der spielenden Katze erforderlich. Im Badewannen-Vergleich bedeutet eine niedrige ISO eine größere Badewanne – es dauert also länger bis sie voll ist.

Tipp: Ziehen Sie mit Ihrer Spiegelreflex und einem Stativ in die Natur los. Wählen Sie ein Motiv mit Vordergrund (beispielsweise Blumen), mittlerem Bereich (beispielsweise Wiese) und Hintergrund (beispielsweise Wald und Himmel). Probieren Sie in der Programmautomatik „P“ verschiedene Kombinationen aus Blende und Belichtungszeit aus und sehen Sie sich das Ergebnis am Computer an.

Die Blende – eine Möglichkeit, die Schärfentiefe zu beeinflussen

Die Blende ist eine runde Öffnung im Objektiv, die variabel vergrößert oder verkleinert werden kann, um die Lichtmenge zu steuern. Blendenwerte sind Brüche und müssen korrekt 1:2,8 oder 1:5,6 benannt werden. Gängige Blendenwerte (Blendenzahlen) sind F1; F1,4; F2; F2,8; F4; F5,6; F8; F11; F16; F22. Jede Blendenstufe reduziert das Licht um die Hälfte des vorhergehenden Wertes. Das könnte jeweils durch eine Verdoppelung der Belichtungszeit kompensiert werden, um die gleiche Lichtmenge zu erhalten.

Bei einer kleinen Blendenzahl (etwa F2,8) ist nur ein kleiner Bereich scharf (= geringe Schärfentiefe), der Hintergrund beispielsweise bei einem Porträt eines Kindes verschwimmt. Bei einer großen Blendenzahl (etwa F22) ist ein großer Bereich (= große Schärfentiefe) scharf, also auch der Hintergrund bei Landschaftsaufnahmen ist scharf.

Tipp: Experimentieren Sie bei der Einstellung Blendenvorwahl „Av“ Ihrer Spiegelreflex mit verschiedenen Blendenzahlen und verschiedenen Motiven. Fotografieren Sie beispielsweise ein Porträt eines/einer Freundes/in mit F2,8, Reisemotive im Urlaub mit F5,6, Architekturmotive mit F16 und Stillleben mit F32.

Die Belichtungszeit – eine Möglichkeit, Bewegungen einzufrieren oder fließen zu lassen

Die Belichtungszeit gibt die Zeitdauer an, während der die Blende geöffnet ist, um Licht auf den Sensor durchzulassen. Die Bewegung eines Wasserfalls kann man mit einer kurzen Belichtungszeit (etwa 1/1000 Sekunde) einfrieren oder mit einer langen Belichtungszeit (etwa 1 Sekunde) samtig weich fließend abbilden.

Die Belichtungszeit sollte ohne Stativ nicht länger als der Kehrwert der Kleinbild-Brennweite sein. Beispiel: Sie fotografieren Tiere im Zoo mit einem 200mm Brennweite Teleobjektiv, dann sollte die Belichtungszeit am besten 1/200 Sekunde oder kürzer sein.

Tipp: Probieren Sie verschiedene Belichtungszeiten mit der Zeitvorwahl „Tv“ Ihrer Spiegelreflex aus. Beispielsweise 30 Sekunden für Nachtaufnahmen von Straßenverkehr, 1 Sekunde bei einem Wasserfall bei Tag, 1/30 Sekunde bei einem vorbeifahrenden Zug und 1/1000 Sekunde bei einem Pferderennen oder Eishockeyspiel.

Die ISO-Empfindlichkeit – niedrige ISO bedeutet bessere Bildqualität

Mit einer niedrigen ISO-Empfindlichkeit (ISO 100 ist ein niedriger Wert) erhält man eine bessere Bildqualität. Wählen Sie beispielsweise eine niedrige ISO, wenn Sie das Foto einer seltenen Pflanze später als großformatiges Poster drucken wollen. Eine hohe ISO-Empfindlichkeit bedeutet mehr Bildrauschen und schlechte Bildqualität.

Bildrauschen (sichtbarer farbiger „Fleckerlteppich“) sind unerwünschte Störsignale, die den eigentlichen Bildinhalt überlagern. Es gibt Chrominanzrauschen (unregelmäßige farbige „Wolken“), Luminanzrauschen (zufällig entstehende wolkenähnliche Überlagerungen) und Dunkelrauschen (durch das Einschalten der Kamera selbst erzeugtes Rauschen).

Tipp: Stellen Sie Ihre Spiegelreflex auf Programmautomatik „P“ und experimentieren Sie mit verschiedenen ISO-Einstellungen. Beispielsweise ISO 100 bei Sonnenschein, ISO 200 bei regnerischen Tagen, ISO 400 bei flinken Tieren im Zoo, ISO 800 in U-Bahnhöfen und in Innenräumen bei künstlicher Beleuchtung und ISO 1.600 und höher bei Nachtaufnahmen einer Stadt ohne Stativ.

Die Brennweite – von Weitwinkel bis Teleobjektiv

Jedes Objektiv einer Spiegelreflexkamera hat eine Brennweite. Ein Objektiv ist im Grunde eine Lupe, die aus mehreren Glaslinsen besteht. Die durch das Objektiv fallenden Lichtstrahlen treffen an einer Stelle zusammen – dem Brennpunkt. Den Abstand des Brennpunktes von der Objektivmitte nennt man Brennweite.

Nach der Brennweite (im Folgenden immer im Kleinbildformat angegeben) unterscheidet man verschiedene Arten von Objektiven. Ein Fish-Eye Objektiv besitzt eine Brennweite unter 20mm. Der große Aufnahmewinkel beim Fish-Eye von bis zu 180 Grad sorgt auch für Verzerrungen. Beim Weitwinkelobjektiv liegt die Brennweite unter 30mm. Ein Standardobjektiv hat eine Brennweite von etwa 50mm. Dies entspricht dem natürlichen Seheindruck des Menschen. Teleobjektive besitzen Brennweiten ab 80mm. Damit können weit entfernte Motive groß abgebildet werden.

Tipp: Probieren Sie verschiedene Brennweiten aus. Beispielsweise etwa 28mm bei Straßenschluchten, etwa 85mm beim Porträt eines Kindes, etwa 100mm bei Landschaftsaufnahmen und etwa 300mm bei Fotos von Tieren in der freien Wildbahn.

Stefan Dassler, Dipl.-Handelslehrer, Stefan Dassler

Stefan Dassler - Dipl.-Handelslehrer (Studium der Wirtschaftspädagogik mit Schwerpunkt Organisationspsychologie an der Universität ...

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