
- Risikosituationen meistern - Stefan Dassler
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Auszubildender A: „Der Betriebskindergarten soll aus finanziellen Gründen geschlossen werden. Das ist vor allem für allein erziehende Mitarbeiterinnen ein Problem.“ Auszubildender B: „Wir könnten doch eine groß angelegte Spendenaktion auf die Beine stellen und helfen.“ Auszubildender A: „Aber was ist, wenn diese Aktion ein Flop wird? Dann lacht alles über uns!“
Chancen und Gefahren in Risikosituationen
Wir treffen im privaten und beruflichen Alltag immer wieder auf Risikosituationen (Wird die Spendenaktion erfolgreich?). Es gilt, sich diesen Situationen zu stellen und sie zu bewältigen. Bei einem Risiko geht es um einen möglichen Schaden oder Verlust im negativen Fall (Gefahr) oder einen möglichen Nutzen oder Gewinn im positiven Fall (Chance). Somit birgt eine Risikosituation immer Chancen (den Betriebskindergarten retten) und Risiken (sich mit einem Misserfolg blamieren). Auch hilft Optimismus bei der Begegnung mit Risiken.
Der Ablauf einer Risikoanalyse
Häufig gibt es mehrere Risiken gleichzeitig und es werden manchmal wesentliche Risiken vernachlässigt und nur das nächstliegende betrachtet. Hier hilft eine systematische Risikoanalyse:
- Risikoidentifizierung: Welchen konkreten Risiken muss ins Auge gesehen werden?
- Risikobewertung: Welche Risiken sind am wahrscheinlichsten und am größten?
- Risikomanagement: Welche Gründe haben die erkannten Risiken? Was kannman dagegen konkret tun? Wer kann dabei helfen?
Eine gute Möglichkeit, sein eigenes Verhalten als Azubi in Risikosituationen genauer kennen zu lernen, ist die Analyse zurückliegender Druck- und Risikosituationen. So ist man besser auf künftige Risikosituationen vorbereitet und handelt entsprechend rationaler (vernunftmäßiger).
Erste Trainingsaufgabe zu Risikosituationen
Machen Sie sich Notizen zu folgenden Fragen: Was für Risiken sind Sie im betrieblichen Alltag bisher eingegangen? Wie haben Sie diese Risikosituationen gemeistert? Was für Probleme gab es?
Zweite Trainingsaufgabe zu Risikosituationen
Testen Sie Ihre Risikobereitschaft. Antworten Sie spontan und ehrlich auf folgende Aussagen (Antwortmöglichkeiten: ja/nein/teils).
1. Haben neue Herausforderungen einen Reiz?
2. Man sollte selbst aktiv werden und nicht warten, bis man Anweisungen erhält.
3. Entscheidungen zu treffen ist leicht.
4. Man sollte sich für wichtige Dinge engagieren.
5. Schwierigkeiten im Beruf und im Leben kann man überwinden.
6. Es ist wichtig, in schwierigen Situationen selbst die Führung zu übernehmen.
7. Bei unvorhergesehenen Ereignissen kann man gelassen bleiben.
8. Riskante und schwierige Aufgaben haben Anziehungskraft.
9. Gut laufende Angelegenheiten sind ohne Reiz.
10. Man sollte möglichst in der vordersten Front kämpfen.
Hinweis: Dieser Test soll nur eine erste eigene Einschätzung ermöglichen. Umfangreichere und noch aussagekräftigere Tests müssten wissenschaftlich erarbeitet und ausgewertet werden.
Nützliche Tipps zu den Trainingsaufgaben
- Zum Test: Wenn Sie überwiegend „ja“ angekreuzt haben, dann gehen Sie zwar neue Aufgaben sehr offensiv an, neigen aber eventuell dazu, sehr leichtsinnig neue Risiken einzugehen. Wenn Sie überwiegend „nein“ angekreuzt haben, sollten Sie an Ihrer Risikobereitschaft arbeiten. Sie sollten sich fragen: Was hält mich davon ab, etwas Neues zu wagen? Eine ausgewogene Mischung aus Ja- und Nein-Antworten wäre das Optimum an Risikobereitschaft.
- Legen Sie sich für Risikosituationen gezielt eine Plusundminus-Liste an, auf der Sie die möglichen Chancen und Gefahren einer Situation notieren.
- Drängeln Sie sich ruhig auch mal in den Vordergrund. Warten Sie nicht, was die anderen machen und wer von denen zuerst die Herausforderung annimmt.
- Die Bereitschaft zum Risiko ist wichtig. Nur wenn wir Neues, Unbekanntes angehen, können wir uns selbst in ungewohnten Situationen kennen lernen.
- Haben Sie ruhig Mut zu veränderten Rahmenbedingungen. Das ist innere Weiterentwicklung.
- Nehmen Sie auch Risiken mal in Kauf: „Wer darauf besteht, alle Faktoren zu überblicken, bevor er sich entscheidet, wird sich nie entscheiden.“ (Henri-Frederic Amiel)
Literaturhinweis:
Stefan Dassler: Schlüsselqualifikationen für Auszubildende. Übungen und Trainingsaufgaben. Igel Verlag 2009. 196 Seiten. Euro 19,90.
