
- Fehlleistungen als Azubi - Stefan Dassler
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Auszubildender A: „ In einigen Großunternehmen kommen immer wieder Missstände wie Korruption zum Vorschwein.“ Auszubildender B: „Du meinst wohl: Es sind Schweinereien zum Vorschein gekommen.“
Sich Fehlleistungen bewusst machen
Zunächst ist es wichtig eigene Verhaltensprobleme und Fehlleistungen (beispielsweise versprechen, verschreiben, verhören, etwas vergessen) zu erkennen und sich bewusst zu machen. Viele Fehlleistungen sind banal oder Flüchtigkeitsfehler. Man sagt und tut etwas zur falschen Zeit und am falschen Ort oder man tut etwas versehentlich nicht. Oft hilft es auch sich noch besser über das Unternehmen oder den Konzern zu informieren und zu orientieren. Um klären zu können, ob eine Fehlleistung eine wichtige persönliche Bedeutung hat, sollte man sich folgende Fragen stellen:
- Ist sie häufig, sehr selten oder einmalig?
- Hat sie nachteilige Folgen am Arbeitsplatz?
Umgang mit Fehlleistungen
Aus psychologischer Sicht entstehen Fehlleistungen durch nicht beabsichtigte Fehlhandlungen - man macht beispielsweise versehentlich einen Fehler.. Diese Fehlleistungen beruhen vermutlich auf unterdrückten, verdrängten und unbewussten Tendenzen. Der Psychoanalytiker Sigmund Freud hat drei verschiedene Arten und Weisen unterschieden, wie Menschen mit ihren Fehlleistungen umgehen:
- Personen, die die Fehlleistungen schon bemerken und sie aber sofort zu vertuschen versuchen.
- Menschen, die die Fehlleistung nicht merken. Wenn sie darauf angesprochen werden, bestreiten sie die Fehlleistungen. Sie führen es auf einen Zufall zurück und reden sich heraus .
- Personen, die die Fehlleistung ebenfalls nicht bemerken. Wenn sie darauf angesprochen werden, können sie es aber nachvollziehen, einsehen und meist auch akzeptieren.
Fehlleistungen sind zwar nichts Schlimmes, können jedoch für erfolgreiches berufliches Handeln und Problemlösen hinderlich sein. Daher sollte man eigene Fehlleistungen zumindest erkennen und gegebenenfalls die Ursachen ergründen.
Erste Trainingsaufgabe zum Thema Fehlleistungen
Machen Sie sich Notizen zu folgenden Fragestellungen: Bei welchen Gelegenheiten im Betrieb hatten Sie in letzter Zeit Fehlleistungen? (versprechen, verschreiben, verhören, etwas vergessen) Auf welche Ursachen führen Sie diese Fehlleistungen zurück? Besprechen Sie anschließend Ihre Gedanken mit anderen Auszubildenden und Ihrem Ausbilder.
Zweite Trainingsaufgabe zum Thema Fehlleistungen
Erstellen Sie eine Liste mit Worten/Begriffen, die Sie immer wieder verwechseln. Lassen Sie dabei Ihrer Phantasie freien Lauf. Klären Sie die Bedeutung der Wörter gegebenenfalls mit Hilfe eines Lexikons oder des Internets. Beispiele: Psychisch und physisch, logisch und logistisch, lehren und leeren.
Nützliche Tipps zu den Trainingsaufgaben
- Wenn Sie häufiger Fehlleistungen am Arbeitsplatz haben, notieren Sie sich in einem Tagebuch die jeweiligen Fehlleistungen und verschaffen Sie sich eine Übersicht.
- Überlegen Sie mögliche Gründe für die Fehlleistungen. Hat Sie in den letzten Tagen etwas Bestimmtes gefühlsmäßig belastet? Befanden Sie sich außerordentlich im Stress? Möchten Sie irgendetwas vermeiden? Sind irgendwelche Ängste im Spiel?
- Nehmen Sie banale Fehlleistungen mit Humor. Lachen Sie einfach etwas darüber.
- Überlegen Sie, ob Sie zu dem Zeitpunkt der Fehlleistung körperlich sehr angespannt waren beziehungsweise unter Stress standen. Probieren Sie gegebenenfalls einfache Entspannungsübungen aus - beispielsweise die progressive Muskelentspannung.
- Wenn Sie sehr häufig Fehlleistungen haben, beschäftigen Sie sich auch mit Ihren Träumen, mit Traumdeutung und den psychologischen Zusammenhängen. Es gibt sehr gut verständliche Literatur zu diesem Thema.
Literaturhinweis:
Stefan Dassler: Schlüsselqualifikationen für Auszubildende. Übungen und Trainingsbeispiele. Igel Verlag 2009. 196 Seiten. Euro 19,90.
