
- Das Gedächtnis als Azubi richtig benutzen - Stefan Dassler
Wer ein gutes und trainiertes Gedächtnis besitzt, hat im Beruf und beim Lernen für Prüfungen entscheidende Vorteile. Das Gedächtnis ist die Fähigkeit eines Lebewesens, aufgenommene Informationen zu speichern, zu ordnen und wieder abzurufen.
Dreispeicher-Modell des Gedächtnisses
Am häufigsten verwendet man heute das Dreispeicher-Modell, um sich Gedächtnisabläufe vorzustellen:
- Ultrakurzzeitgedächtnis (UKZG): Als erstes wird eine Information für ein paar Sekundenbruchteile in das UKZG aufgenommen (etwa wenn man ganz kurz während einer Autofahrt ein bestimmtes Gebäude sieht).
- Kurzzeitgedächtnis (KZG): Der nächste Speicher ist das KZG, in dem die Information einige Sekunden gespeichert wird. Das KZG hat eine sehr gegrenzte Speicherkapazität (etwa wenn es sich um ein besonders interessantes Gebäude gehandelt hat, bleibt die Information im KZG).
- Langzeitgedächtnis (LZG): Die neue Information kann unter bestimmten Voraussetzungen ins LZG gelangen. Sie sollte mehrmals wiederholt werden, mit anderen bekannten Informationen vernetzt und klar strukturiert sein. Die Aufnahmekapazität des LZG ist nahezu unbegrenzt. Dort wird die Information chemischer Art und Weise auf Molekülebene abgespeichert (etwa wenn das Gebäude öfters angesehen und sein Baustil bewusst wahrgenommen und eingeordnet wird).
Gedächtnisprobleme
Das Gedächtnis kann auch Probleme machen, das heißt wir können uns etwas nicht merken oder vergessen es. Die bekannte Vergessenskurve von Hermann Ebbinghaus zeigt, wie die behaltenen Informationen im Verlauf der Zeit immer mehr abnehmen.
Was kann man gegen das Vergessen tun? Regelmäßige Wiederholungen und keine ähnlichen Lerninhalte nacheinander lernen (Gedächtnishemmung!). Auch Angst kann das Abrufen des Gelernten empfindlich blockieren. Informationen mehrkanalig (durch Lesen, Hören und Selbsttun) aufnehmen. Die Aufnahme von Fakten, Daten, Informationen ins Langzeitgedächtnis braucht meist einige Zeit. Planen Sie deshalb auch Ihre zur Verfügung stehende Zeit.
Erste Trainingsaufgabe
Machen Sie sich zu den folgenden Fragen Notizen: Überlegen Sie sich Situationen in der Berufsschule und im Unternehmen, in denen Ihnen nicht die richtigen Informationen eingefallen sind. Woran könnte dies gelegen haben? Was sind die Ursachen?
Stellen Sie sich vor, Sie müssen für eine Schulaufgabe in der Berufsschule lernen. Wie gehen Sie vor, damit die Informationen ins Langzeitgedächtnis aufgenommen werden?
Zweite Trainingsaufgabe
Stellen Sie sich selbst eine Liste von etwa zehn Englisch-Vokabeln zusammen und verwenden Sie die folgende Lerntechnik:
- Lesen Sie die englischen und deutschen Worte laut und ganz deutlich zweimal vor.
- Schreiben Sie alle Vokablen langsam und aufmerksam ab.
- Denken Sie sich zu jedem englischen Wort einen englischen Satz aus und notieren Sie ihn.
- Wiederholen Sie jetzt alle Vokabeln, ohne sie laut auszusprechen.
- Übersetzen Sie die deutschen Begriffe jetzt, sprechen Sie die zugehörigen englischen Worte aus und notieren Sie die englischen Vokabeln.
- Alle nicht gewussten Vokablen sollten anschließend nochmals widerholt und gelernt werden.
Nützliche Tipps zu den Trainingsaufgaben
- Regelmäßige Wiederholungen der zu lernenden Informationen erleichtern das speichern im LZG. Beachten Sie die Ebbinghaussche Gedächtniskurve.
- Lernen Sie ähnliche Themen nicht hintereinander, um Gedächtnishemmungen zu vermeiden.
- Sorgen Sie für eine gute, positive Stimmung beim Lernen, um gefühlsmäßige Blockaden zu reduzieren.
- Verwenden Sie mehrere Möglichkeiten, um Informationen zu speichern (beispielsweise durch Lesen, Hören, Sprechen, Selbsttun).
- Schwierige Worte und Begriffe können mit Bildern und konkreten Beispielen verbunden werden. So bleiben die Begriffe besser im Gedächtnis.
- Prüfen Sie regelmäßig, ob die gelernten Informationen auch sitzen.
Literaturhinweis:
Stefan Dassler: Schlüsselqualifikationen für Auszubildende. Übungen und Trainingseinheiten. Igel Verlag 2009. 196 Seiten. Euro 19,90.
