Als Azubi sich selbst motivieren

Als Azubi sich selbst motivieren - Stefan Dassler
Als Azubi sich selbst motivieren - Stefan Dassler
Motivation und Selbstmotivation sind wichtige Schlüsselqualifikationen in der Berufsausbildung. Motivierte Auszubildende sind häufig erfolgreicher im Beruf.

Jeder kennt die Sätze: „Ich bin heute wenig motiviert zum Lernen.“ „Ich habe keinen Bock auf arbeiten.“ „Ich möchte nur noch schlafen.“ Was bedeutet eigentlich Motivation? Man versteht darunter all das, was unser Verhalten (beispielsweise in der Berufsschule oder am Arbeitsplatz) in Gang setzt oder aufrecht erhält. Sie ist der Motor des Verhaltens.

Arten von Motivation

Motivation kann sowohl von innen heraus kommen (Interesse, Ehrgeiz, Freude am Lernen und Arbeiten) als auch von außen (Druck, Lob, Belohnung, Geld). Wer lernen und arbeiten muss, interessiert sich sicherlich für die Frage, wie man sich selbst motivieren kann.

Positive und negative Gedanken

Eine wesentliche Erkenntnis ist: Selbstmotivation beginnt mit dem Denken – positiven oder negativen Gedanken. So kann man sich in eine gute Arbeitsstimmung versetzen oder man kann sich in eine schlechte Motivation gedanklich bringen.

Denkt man etwa an seine Chancen in einem bestimmten Fach in der Berufsschule eine gute Note zu schreiben, so fördert das die Selbstmotivation. Oder: Sieht man an seinen Kollegen am Arbeitsplatz eher das Schlechte, so hindert das den eigenen Antrieb. Genauso wie man sich motivieren kann, kann man sich auch demotivieren.

Es ist zunächst wichtig, negative Gedanken aufzuspüren und zu entschärfen. Das erreicht man, indem man Situationen und Personen am Arbeitsplatz oder in der Berufsschule eine positive Seite abgewinnt. Es gilt, sich das Positive richtig bewusst zu machen – vielleicht auch mal aufzuschreiben. Außerdem helfen positive Leitsätze und Vorsätze für die Arbeit und das Lernen.

Um sich gut selbst zu motivieren, sollte man sich bewusst Ziele setzen und diese schriftlich formulieren. Den Weg zum Ziel teilt man in kleine Schritte ein und belohnt sich nach jedem erreichten UnterzielZwischenziel. Wirksam selbst motivieren kann man sich nur, wenn man sich nicht mit Aufgaben überlädt. Planen Sie! Überlegen Sie genau, was Sie an Aufgaben auch bewältigen können.

Erste Trainingsaufgabe

Beantworten Sie ehrlich die folgenden Fragen:

  • Denkt man eher an die bereits bewältigte oder an die noch anzugehende Wegstrecke in der Ausbildung?
  • Ärgert man sich über verpasste und vergangene Möglichkeiten, gute Zensuren zu schreiben, oder ist der Blick auf künftige Chancen gerichtet?
  • Seht man in den Kollegen, Ausbildern und Chefs eher das Unschöne oder eher das Gute?
  • Hat man morgens schon Ängste, was alles ansteht, oder stellen die Aufgaben und Arbeitsaufträge des Tages eine positive Herausforderung dar?
  • Setzt man sich eine negative oder eine positive Brille für den Arbeitsalltag auf?

Sollten Sie häufiger die zweite Möglichkeit gewählt haben, so denken Sie eher positiv als negativ.

Zweite Trainingsaufgabe

Versuchen Sie Situationen und Personen im Alltag etwas Positives abzugewinnen. Finden Sie nach den folgenden Beispielen weitere Aussagen.

  • „Diese Aufgabe ist zwar nicht einfach, aber hochinteressant.“
  • „Mit diesem Kollege oder Chef kommt man zwar nicht einfach zurecht, aber es fordert heraus, sich ihm gegenüber durchzusetzen.“

Notieren Sie sich weitere positive Vorsätze für Ihren Alltag. Beispiele:

  • „Ich werde das schon schaffen.“
  • „Ich gehe ruhig und entspannt an die Arbeit oder ans Lernen.“
  • „Ich freue mich über das, was ich an einem Tag geschafft und erreicht.“

Dritte Trainingsaufgabe

Suchen Sie sich eine wichtige Aufgabe in Ihrem Alltag heraus. Das kann die Vorbereitung für die Zwischenprüfung, das Erlernen eines neuen Computerprogramms, das Auffrischen einer Fremdsprache, das Durcharbeiten eines Betriebshandbuches oder Ähnliches sein. Zerlegen Sie den Weg zum Ziel in Teiletappen und ordnen Sie konkrete Termine zu. Tragen Sie sich diese Termine in Ihren Zeitplaner ein und belohnen Sie sich nach jeder erreichten Etappe.

Nützliche Tipps zu den Trainingsaufgaben

  • Nehmen Sie sich zur Selbstmotivation täglich, wöchentlich und monatlich bewusst etwas vor, das Ihnen sehr viel Spaß und Freude bereitet.
  • Stimmen Sie sich in einen Tag durch positive Leitsätze und Vorsätze ein.
  • Übertriebener Perfektionismus kann zu hohe Anforderungen gegenüber sich selbst führen und nur demotivieren.
  • Untergliedern Sie umfangreiche, komplexe und schwierige Aufgaben in kleinere Etappen, die Sie schrittweise erledigen.
  • Freuen Sie sich an jedem Arbeitstag über das Geschaffte und Erreichte.
  • Verabreden Sie nur soviele Termine und Vereinbarungen, wie Sie auch tatsächlich einhalten können. Sagen Sie beizeiten nein, wenn zu viel von Ihnen gefordert wird.
  • Denken Sie alle paar Wochen einmal über Motivation und Selbstmotivation nach. Analysieren Sie Ihre Ziele. Stellen Sie sich auch kritische Fragen: Identifiziere man sich mit der Arbeit, dem Betrieb, dem Beruf? Ist man selbst zufrieden mit den Leistungen und Arbeitsergebnissen? Nutzt man seine Fähigkeiten und sein Wissen? Kann man sich weiterbilden und weiterentwickeln?

Literaturhinweis:

Stefan Dassler: Schlüsselqualifikationen für Auszubildende. Übungen und Trainingsbeispiele. Igel Verlag 2009. 196 Seiten. Euro 19,90.

Stefan Dassler, Dipl.-Handelslehrer, Stefan Dassler

Stefan Dassler - Dipl.-Handelslehrer (Studium der Wirtschaftspädagogik mit Schwerpunkt Organisationspsychologie an der Universität ...

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